Aus verständlichen, nicht zuletzt
auch kommerziellen Gründen ist die Kreatinforschung auf dem Gebiete der Leistungsphysiologie
und des Spitzensportes am weitesten fortgeschritten und die Anzahl von wissenschaftlich
hochstehenden Studien direkt am Menschen ist in der Zwischenzeit beachtlich geworden
und wächst immer noch.
Auf Grund der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung
haben verschiedene international bekannte Spitzenathleten vor ca. 5 Jahren im
Selbstversuch mit der Einnahme von Kreatin-pulver begonnen und damit erstaunliche
Leistungssteigerungen von 10-20% erreicht, zuerst vor allem im Sprintbereich (Casey
et al. 1996; Hultman et al. 1996), dann aber auch in anderen Disziplinen. Durch
gezielte Supplementation mit Kreatin können beim Menschen nicht nur die Sprint-,
sondern auch die Ausdauerleistung verbessert und die Erholungszeiten nach hartem
Training verkürzt werden (Greenhaff et al. 1994: Vandenberghe et al. 1997;
Aaserud et al. 1988; Brönnimann et al. 1988; Volek et al. 1999). Kreatinsupplementation
wird deshalb nicht nur bei Kraftsportarten (Gewichtheben, Ringen/Schwingen, Bodybuilding
etc), sondern auch für Leichtathletik, Mannschafts- und Spielsportarten (Fussball,
Eishockey, Volleyball, Tennis Squash etc), sowie auch für Ausdauersportarten
(Radrennfahren, Triathlon, Marathon- und Berglauf etc) mit Erfolg eingesetzt.
Die Tatsache, dass submaximales Training, bei dem die Glycogenspeicher entleert
werden, sowohl die Aufnahme von Kreatin, wie auch die Akkumulation von Glycogen
im Muskelgewebe deutlich steigert (Robinson et al 1999), zeigt, dass Training
in Kombination mit Kreatin-Supplementation plus Kohlehydrat-Loading zu optimalen
Effekten führt. Bei den Probanden, die Kohlehydrate plus Kreatin zu sich
nahmen, wurden nämlich die Glycogenspeicher im Vergleich zu den Probanden
die nur Kohlehydrate nahmen, deutlich erhöht (Robinson et al. 1999). Durch
die so gewonnene Erhöhung der Glycogenspeicher lässt sich u.a. auch
die positive Wirkung von Kreatin auf die Ausdauerleistung ohne weiteres erklären.
Durch Training wurde zudem auch die Aufnahme von Kreatin verbessert (Robinson
et al. 1999). Da ein erhöhter Phospho-Kreatin Spiegel in den Muskeln zu einer
Verbesserung der Energetik für die Kalzium-Homeostase führt, ist ein
Effekt von Kreatin auf die Ausdauerleistung auch von diesem Aspekt her zu erwarten,
d.h. die Energie, die für die während den Muskelkontraktionen zyklisch
erfolgende Kalziumaufnahme durch die Ca2+-ATPase-Pumpe verbraucht wird, kann dank
eines erhöhten Phospho-Kreatin Spiegels effizienter eingesetzt werden.
Obwohl schon 1976 mit Skelett- und Herzmuskelzellen in Kultur gezeigt werden konnte,
dass externes Kreatin zum Zellkulturmedium gegeben eine Zunahme der muskel-spezifischen
Eiweissynthese bewirkt (Ingwall 1976), wurde lange Zeit negiert, dass Kreatin
eine direkt Zunahme der Muskelmasse bewirkt, weil vor allem während der Ladephase
mit Kreatin auch Wasser im Muskelgewebe akkumuliert wird (Francaux and Poortmans
1999), was meist zu einer leichten Gewichtszunahme (1-2 kg) führt. Dies kommt
dadurch zu Stande, dass der Kreatin-Transporter ein Natrium-Chlorid Cotransporter
ist (Guerrero und Wallimann 1998) und zum osmotischen Ausgleich Wasser in die
Zellen aufangenommen werden muss. Deshalb ist es auch wichtig vor allem während
der Ladephase mit Kreatin speziell viel zu trinken. Schon früh hat aber eine
finnische Gruppe, die Kreatin an Patienten mit "Gyrate Atrophy", einer
Augenkrankheit, abgegeben hatten, realisiert, dass die längerfristige Einnahme
von Kreatin (1.5. Gramm täglich während eines Jahres) in der Tatt von
einer direkten Zunahme der Muskelmasse begleitet war, die ausschliesslich auf
eine Vergrösserung des Durchmessers von schnellen Typ II Muskelfasern zurückzuführen
ist (Sipilä et a. 1981). Neuere Resultate einer australischen Forschergruppe
zeigen aber, dass Kreatin-Supplementation während 12 Wochen in Zusammenhang
mit Krafttraining zu einer signifikanten Querschnittsvergrösserung aller,
inklusive der langsamen Typ I Fasern, führen kann (Volek et al. 1999). Parallel
zu diesem Muskelaufbau stellte man oft eine Abnahme von Fettgewebe fest (Vandenberghe
et al. 1997), was insgesamt zu einer durchaus erwünschten Erhöhung der
fettfreien Körpermasse (lean body mass) führt (Volek et al. 1999). Dieser
sekundär positive Effekt ist sicher auch für andere Anwendungen ausserhalb
des Sportbereiches wichtig und könnte z.B. auch bei Schlankheitskuren ausgenützt
werden.
Es scheint mir sehr wichtig hier noch einmal zu betonen, dass Kreatin
vor allem im Zusammenhang mit intensivem Muskeltraining und mit Kohlehydrat-Loading
seine volle Wirkung entfaltet (Robinson et al. 1999).
Als Uebersichtsartikel
für die Beurteilung und Anwendung von Kreatin im Sportbereich können
u.a. auch folgende Referenzartikel empfohlen werden: Balsom et al. (1994); Wyss
and Wallimann (1994); Greenhaff (1997); Guerrero and Wallimann (1998); Greenhaff
(1997), Juhn and Tarnopolsky (1998), Plisk and Kreider (1999), Robinson et al.
(1999); Volek et al. (1999).